Mittelportugal

Mittelportugal

Die Mitte Portugals spiegelt mit ihrer Vielzahl teilweise winziger, oftmals noch sehr junger IPR- und DOC-Bereiche einerseits die große Dynamik des portugiesischen Weinbaus wider und die hohe Geschwindigkeit, mit der er sich an die europäischen Standards angleicht. Doch andererseits ist dies oftmals allzu graue Theorie, denn die Hartnäckigkeit, mit der die portugiesischen Weinerzeuger die neuen Herkunftsgebiete weitgehend ignorieren, beweist, wie traditions verhaftet der portugiesische Weinbau ist.

Doch wer will schon von den Erzeugerbetrieben verlangen, dass sie die Namen ihrer seit Jahrzehnten bestens

eingeführten Markenweine - teils in exzellenter Garrafeira-Qualität - aufgeben und stattdessen eine der vielen unprofilierten neuen Herkunftsbezeichnungen auf die Etiketten schreiben? Und so kommt es zu der Situation, dass es zahlreiche DOC- und IPR-Bereiche in Mittelportugal gibt, aber kaum Weine, die diesen Namen tragen. Vier große Bereiche sind es, die seit jeher schon große Mengen Wein hervorbringen: die an der Küste nördlich von Lissabon gelegene Estremadura, im Hinterland der Ribatejo, südlich von Lissabon an der Küste die Terras do Sado und der riesige Alentejo, der fast ein Drittel Portugals umfasst.

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Estremadura

Die Weinbaugebiete der Estremadura erstrecken sich an der zentralen Küstenregion mit ihrem vom Atlantik beeinflussten Klima, das in etwa den mediterranen Verhältnissen entsoricht. Neben den zahlreichen nationalen Rebsorten konnten hier Cabernet Sauvignon und Chardonnay Fuß fassen, vorallem im Süden in der Nähe der Hauptstadt Lissabon. Aus einer Vielzahl von IPR-Gebieten ragen die DOC Colares und Bucelas hinaus. ln Colares wachsen direkt an der Küste auf nur noch weniger als 300 Hektar die berühmten Sandweine aus ungepfropften Reben, die in drei Meter tiefen Löchern im Tonboden verwurzelt sind. Bucelas hingegen bringt frische, säurebetonte Weißweine hervor, die zu den gefragtesten in ganz Portugal gehören.

Ribatejo

Weiter im Landesinneren schließt sich an die Estremadura der Ribatejo an, eine große Weinbauregion mit den sechs IPR-Gebieten Cartaxo, Tomar und Santarem nördlich des Tejo sowie Chamusca, Almeirim und Coruche südlich des Tejo. Die Böden des Ribatejo sind für den Anbau von Reben vielerorts zu nährstoffreich und fruchtbar, doch finden sich auch kargere, sandigere Flächen, auf denen die Rebstöcke so gut gedeihen, dass einige ansprechende Weine erzeugt werden, allerdings auch hier eher als Markenweine denn als IPR-Weine.

Terras do Sado

Das Gebiet Terras do Sado umfasst die kontrollierten Weinbaugebiete der Halbinsel Setübal mit den DOC-Gebieten Setübal und Palmela sowie das südlich davon gelegene, große Landweingebiet zwischen dem Fluss Sado und der Atlantikküste. Die Halbinsel Setübal bildete vor gut 2000 Jahren die historische Wurzel des römischen Weinbaus in Portugal. Neben Weiß- und Rotweinen wird hier der berühmte Likörwein, "Moscatel de Setübal" erzeugt. Den seltenen und teuren Likörwein soll schon der französische König Ludwig XlV. genossen haben. Für seine Produktion sind nur 100 Hektar der insgesamt rund 1100 Hektar Rebfläche zugelassen, die entlang der Arräbida-Berge in der Serra de Arräbida sowie in der Ebene von Palmela zu finden sind.

Sein unverwechselbares Aroma hat der Moscatel durch die Zugabe von Traubenschalen nach der abgestoppten

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Gärung, die noch etwa sechs Monate im Wein eingemaischt werden. Zudem werden in Setübal wie auch in der nördlich angrenzenden, 13.000 Hektar großen DOC Palmela rote Tischweine erzeugt. Der bekannteste ist der Periquita ("kleiner Papagei"), ein gehaltvoller Rotwein, dessen Name auf einen Weinberg von Jose Maria Fonseca hindeutet, der 1846 seine ersten Reben im Setribal pflanzte. Fonseca gründete mit dem Periquita die erste Rotweinmarke Portugals. Weitere bedeutende Erzeuger in der Region Setübal sind die Genossenschaft von Santo lsidro de Pegöes, das Weingut Pegos Claros und die Genossenschaft von Palmela.

Alentejo

Die Bedeutung des riesigen Alentejo für die Weinwelt lag bis vor einem Jahrzehnt weit weniger in der Qualität seiner Weine begründet als vielmehr in den riesigen Wäldern von Korkeichen, in denen über die Hälfte des wertvollen Rohstoffs für die Weinkorken wachsen. Doch werden im Gebiet zwischen dem Tejo im Norden, der spanischen Grenze im Osten, der Algarve im Süden und den Terras do Sado und dem Ribatejo im Westen zunehmend Rotweine erzeugt, die auch international Beachtung finden. Die Region zerfällt in die acht Teilbereiche Portalegre, Borba, Redondo, Evora, Reguengos, Granja Amareleja, Vidigueira und Moura.

Mittlerweile ist der Alentejo eine der dynamischsten Weinregionen Portugals, die mit ihren hochwertigen Rotweinen

aus den portugiesischen Traubensorten sicher in der Zukunft noch mehr Beachtung finden wird. Die Größe der Weingüter ist in diesem weiten Land beachtlich und kann leicht mehrere Hundert Hektar betragen. Die bekanntesten Erzeuger sind u.a. Cortes de Cima, Quinta do Carmo, Joäo Ramos, Tapadade Coelheiros, Herdade do Esporäo, Herdadedo Mouchäo und die Genossenschaft Reguengos de Monsaraz.