Rebsorten und Ihre Weine

Rebsorten und Ihre Weine

Im Unterschied zu europäischen Weinen wird auf amerikanischen Etiketten zumeist die Rebsorte genannt. Mindestens 75% der Trauben müssen von dieser Sorte sein (ansonsten handelt es sich um Table Wine). Gleichermaßen an Ertragsmengen wie an Rebflächen übernehmen in Kalifornien Zinfandel, Cabernet Sauvignon und Merlot die Spitzenpositionen unter den Roten, Chardonnay, French Colombard (v.a. für Massenweine), Chenin Blanc und Sauvignon Blanc unter den Weißweinen. Muscat, Riesling, Gewürztraminer, Semillon und Viognier folgen mit einigem Abstand. Im Pazifischen Nordwesten sind die Präferenzen anders gelagert: Oregon ist Pinot-Noir-Land und präferiert deutlich Burgunder- und Elsaß-Varianten, neben Pinot Noir sind dies Pinot Gris und Blanc, Chardonnay, Riesling, Gewürztraminer und Müller-Thurgau.

Cabernet Sauvignon ist wie Merlot vor allem in Washington beliebt; Syrah erfreut sich zunehmender Beliebtheit, gilt

als die Traube der Zukunft, und Chardonnay sorgt besonders in Washington für knackige vielschichtige Spitzenweine. Nach dem Motto "Anything but Chardonnay" wird zunehmend nach Alternativen gesucht, z.B. Chenin Blanc, Sauvignon Blanc (Fume Blanc), Semillon oder Viognier. Der gesamte Nordwesten gilt ais "Riesling Country", bis hinauf nach British Columbia, und ist für Süßweine (late harvest wines) bekannt. Im folgenden sollen die wichtigsten Sorten, die für Qualitätsweine verwendet werden, etwa in der Reihenfolge ihrer Verbreitung bzw. Beliebtheit vorgestellt werden.

Rote Trauben/Weine

Cabernet Sauvignon

Mittelgroße Trauben, dicht besetzt mit dunkelblauen, dickschaligen und spätreifenden Beeren, ursprünglich aus dem Bordeaux stammend, bildet die Grundlage für den "König unter den Rotweinen". Gut wasserdurchlässige Böden und ein mildes Klima mit kühlen Nächten und viel Sonne sind fur diese Rebsorte, die nur relativ geringe Erträge (3-5 t/acre) bringt ideal. Top-Cabernets kosten mittlerweile zwischen $ 50-100 - das Motto "Life is a Cabernet" scheint die Preise in die Höhe getrieben zu haben. Cabernet Sauvignon trat seinen Siegeszug an, nachdem bei einer Blindverkostung 1976 in Paris ein Cabernet von Stags Leap französische Spitzenprodukte ausstach.

Spektakuläre Cabernets stammen aus dem Napa Valley, aus Sonoma, aber auch aus Washington, wo er oft eine

perfekte Balance zwischen Frucht, Säure und Holz erreicht und gern mit höheren Anteilen Merlot versetzt wird, um Weichheit und Finesse noch zu steigern. Berg-Cabernets (z.B. Howell Mountain, Diamond Mountain oder Mount Veeder) zeichnen sich durch lebhaft-würzige Frucht (schwarze Johannisbeere) und vielschichtige Aromen aus. Geschmacklich vergleichbar mit Bordeaux-Weinen, was den langen Abgang, die kräftige Struktur und die ausgeprägten Tannine angeht, die gerne durch Blenden mit Merlot und Cabernet Franc gemildert werden, sind "Cabs" langlebige, mehrere Jahrzehnte lagerfähige Weine. Cabernet ist ein alkohol-und gerbstoffreicher "Powerwein", kein leicht-konsumierbares Weinchen. Er gibt sich samtig-fett und körperreich, vielschichtig und besticht durch eine Fülle verschiedener Aromen, intensive Frucht wie Schwarzkirsche, schwarze Johannisbeere oder Pflaume, und Pfeffer-, Mineralien- oder Leder-Noten.

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Zinfandel

"Zin" ist dle kalifornische Rebsorte schlechthin, "America's only native varietal", macht zusammen mit Cabernet Sauvignon rund 40% aller Rotweinsorten aus, und nimmt eine Spitzenposition unter den kalifornischen Roten ein. Bis heute ist die Herkunft der Rebe nicht genau geklärt, man nimmt an, daß sie aus dem Balkan stammt und möglicherweise auf die uralte kroatische Plavac-Mali-Sorte zurückgeht. Um die Mitte des 19. Jhs. nach Kalifornien gelangt, erfreute sich Zinfandel dank seines robust-würzigen Charakters besonders bei Winzern italienischer Abstammung großer Beliebtheit - die Reben konnten jüngst als genetisches Pendant der süditalienischen Primitivo-Rebe identifiziert werden - und eroberte sich schnell einen Spitzenrang. Der etwas negative Beigeschmack, der dem Zin anhaftet, rührt daher, daß diese Sorte in den 70ern und frühen 80ern einen Boom in Gestalt des Massenproduktes White Zin, ein fruchtig-halbtrockener Rose, erlebte.

Die oft zweifelhafte Qualität und der vielseitige Einsatz, z.B. für süße Likörweine, für Port- oder Schaumweine, sorgten

dafür, daß Zinfandel in Verruf geriet. Erst Pioniere wie Ravenswood, Rosenblum oder Ridge gelang es allmählich, einen Wandel in Richtung "Real Zin" zu bewirken. Winemakern wie Dave Bennien (Ridge), Joseph Swan oder Joel Peterson (später Ravenswood) kommt das Verdienst zu, daß jetzt aus der ältesten in Amerika gebräuchlichen Traube mit bis zu 100 Jahre alten Reben, die dank der guten Eignung für Meßweine auch die Prohibition "überlebten", wieder Topweine gekeltert werden. Die knorrigen robusten Stöcke brauchen keine Stützen, sie stehen als "bush vines" in weiten Abständen und kommen meist ohne künstliche Bewässerung aus. Zinfandel ist viel stärker ortsabhängig als andere Sorten und das Terroir, d.h. Boden, Klima und Lage, spielt anders als bei Cabernet Sauvignon oder Chardonnay, eine wichtigere Rolle für die Qualität der Weine als die Vinifikation selbst. Tiefgelappte, große Blätter sind für Zinfandel ebenso charakteristisch wie kompakte, große, längliche Trauben, die in der Achse gedreht sind und vielfach Nebentrauben aufweisen.

Die Beeren sind verhältnismäßig groß, weich und saftig. Wegen der dünnen Schale plaizen sie leicht auf, sind besonders temperaturempfindlich und fäulnisanfällig. Optimal ist eine lange trockene Wachstumsperiode, während der die Trauben gut schrumpfen und ihre Inhaltsstoffe hoch konzentrieren können. Entscheidend für die Qualität eines Zins ist besonders die richtige Wahl des Lesezeitpunktes, zumal die Beeren sehr unterschiedlich zur Reife gelangen. Zu Beginn unseres Jahrhunderts war der Red Zinfandel bereits einmal legendär und diese Tradition möchten heute Weinbetriebe wieder aufleben lassen. Zusammengeschlossen zu den Zinfandel Advocates & Producers (ZAP) versuchen Produzenten wie Elyse, Green & Red, Peterson, Ravenswood, Ridge, Rosenblum, Nalle, Saucelito oder Turley seit 1991, das Bild zurechtzurücken.

Das alljährliche "World's Largest Zinfandel Tasting" in San Francisco zeigt den zunehmenden Gesinnungswandel und

die hohe Qualität der echten Zins. Die Aromen reichen von Blaubeer, Brombeer, Himbeer bis hin zu Erdbeer, dazu kommen Gewürz- und Pfeffernoten. Real Zin ist ein körperreicher, kräftiger und eigenwilliger Wein, den man leicht herauskennt, mit meist über 13,5% Alkohol und guter Lagerfähigkeit. Bevorzugt mit wilden Hefestämmen, im Ganzen und unentstielt, mindestens aber ganzbeerig vergoren, durchläuft er wie ein Cabernet Sauvignon eine malolaktische Gärung, reift im Holzfaß für ca. zwölf Monate und wird gerne mit wenig Petite Sirah, Grenache oder Carignan assembliert.

Merlot

Merlot gilt als der neue Trendsetter, als der Aufsteiger der letzten Jahre. Die länglichen Trauben bestehen aus ovalen, mittelgroßen, dickschaligen, blauroten Beeren, die früher reifen als Cabernet Sauvignon. Merlot gilt als eine der ältesten und außergewöhnlichsten Rebsorten der Vitis Vinifera. Wenig anspruchsvoll und ertragsstark, ist sie auch für kühle Mikroklimate geeignet. Ursprünglich vor allem für Assemblagen benutzt und dank ihrer Anspruchslosigkeit für einfach herstellbare, marktträchtige, da leicht konsumierbare, einfache Weine benutzt, avancierte der Merlot in den letzten Jahren, speziell im Nordwesten, zum neuen Liebling der Amerikaner. Merlots können höchst unterschiedlich ausfallen, gute präsentieren sich weich, fleischig, fruchtig. Aufgrund des geringeren Tannin- und Säuregehalts sind Merlots zarter und leichter als ein Cabernet zudem früher trinkreif. Inzwischen werden im Yakima Valley (WA), aber auch im Napa-Tal, Top-Merlots produziert, bei denen vielschichtige, zarte feinfruchtige Aromen (Kirschen, Gewürze) ideal mit saftig-reifer Beerenfrucht (Blaubeere, Johannisbeere, Kirsche, Rosinen) und würziger Eiche vereint sind.

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Pinot Noir

Eine der ältesten bekannten Rebsorten aus dem Burgund (Cote d'Or) produziert kleine Trauben mit vielen dünnschaligen Beeren in geringen Erntemengen; sie ist seit 1885 in Kalifornien bekannt. Pinot Noir wächst bevorzugt in kühlen Klimaten, gerne in Küstentälern, z.B. in Carneros, im Russian River Valley oder in der Central-Coast-Region, sowie in den kühlen Klimaten der Weinregionen Oregons. Pinot Noir braucht eine lange, milde Wachstumsperiode mit trockenem Herbst und mildem Winter. Er stellt für jeden Winemaker eine besondere Herausforderung dar, und besonders Winzer in Oregon haben seine Vinifizierung zur Perfektion getrieben. Dort ist Pinot Noir die Hauptsorte, zusammen mit Chardonnay, und erlangte bereits in den frühen 70ern dank Pionieren wie David Lett (Eyrie), Dick Erath (Erath) oder Dick Ponzi (Ponzi) Ruf und Ansehen und trat erfolgreich gegen hochkarätige französische Burgunder an. In Carneros wird Pinot Noir vor allem kombiniert mit Chardonnay für Schaumweine angebaut. Wegen des kurzen Reifeoptimums, der Mengenbegrenzung, die nötig ist, um Qualität zu erzeugen, und der besonderen Sensibilität der Trauben erfordert Pinot Noir besonders vorsichtige Vinifikation.

Wegen der dünnen Schale reagieren die Beeren sehr hitzeempfindlich und fäulnisanfällig.

Tanninarm und mit wenig Farbstoff bedarf es besonderer Kunstfertigkeit, hervorragende Pinots herzustellen. Fast immer sortenrein gekeltert und im Eichenfaß ausgebaut, sind gute Tropfen mindestens fünf jahre lagerbar. Leicht und delikat, komplex und tief, zart und von heller Farbe, von seidiger Struktur ohne aufdringliche Tannine und mit langem Abgang, ist Pinot Noir der eleganteste Wein aus den USA. Eine zweite, körperreicher-süffigere Variante zeichnet sich durch dunklere Farbe, Schoko-, Lakritz- und Schwarzkirscharomen bei ausgeprägter Eichennote mit mehr Tanninen, aber weniger Säure, aus. Pinot Noir ist nicht jedermanns Sache, doch einfacher zu trinken und zu mehr Gerichten passend als ein Cab. Der typische Pinotgeschmack mit ausgeprägtem reifen Beeren-, Erdbeer-, Kirsch-, Pflaumenaroma, tritt im Alter hinter erdig-ledrigen Untertönen zürück, würziges Eichenholz erzeugt dann mehr aromatische Süße und Fülle im Mund - manchmal schon an Zinfandel erinnernd.

Syrah

Die besonders an der Rhone verbreitete Reben- bzw. Weinsorte hat in den USA eine vielversprechende Zukunft, speziell in Washington. Die kleinen dickschaligen Beeren sind ideal für kältere Klimate, brauchen jedoch trockene Wärme und gute Exposition während der Reifephase. Syrahs sind von dunkler Farbe, mit gut ausgeprägten Tanninen, typisch pfeffriger Note und würzigem, bitter-süßem Beerenaroma, oft mit rauchiger Komponente. Topproduzenten sind die sog. Rhone Rangers, wie Bob Lindquist (Qupe), Alban oder McDowell, aber auch Betriebe wie Duxoup oder McCrea (WA).

Sonstige rote Sorten

Cabernet Franc wird bisher selten sortenrein gekeltert, taucht zumeist in Blends mit Cabernet und Merlot auf. Erst in letzter Zeit wurde speziell in Washington seine Bedeutung als Einzelwein mit ausgeprägter Blaubeernote erkannt - dort könnte er eine große Zukunft haben. Leichte, frisch-fruchtige Weine werden, speziell in Oregon und Washington, aus Gamay-Trauben - Gamay Noir ist die typische Beaujolais-Traube - hergestellt, während Grenache in kleinen Mengen für Roses angebaut wird und wie Petite Syrah, der allein robuste tanninhaltige Weine mit Pfeffernote liefert, zum Blenden von Zinfandels Verwendung findet. Grenache ist neben Carignan eine der Trendtrauben in Kalifornien. Lemberger, die Washington-Version des österreichischen Blaufränkisch, ergibt blutrote, schlichte Weine mit Beerenaroma und erfreut sich wachsender Beliebtheit.

Überhaupt setzen sich neben den klassischen Bordeaux- und Burgund-Sorten zunehmend Rhonesorten durch, neben

Syrah (s.o.) sind es va. Grenache (s.o.), Mourvedre, Carignan und Cinsault als Rote. Die Rhone Rangers, wie sich die Anbauer dieser Sorten nennen, gewinnen zunehmend an Bedeutung, während "Cal-Ital Wines" eine neue und noch kritisch betrachtete Entwicklung darstellen. Sorten wie Sangiovese (Chianti), Nebbiolo oder Barbera bringen zwar meist große Erträge, aber auch Probleme aufgrund der unregelmäßigen Reife und fehlender Farb-, manchmai auch Aromaintensität.

Weisse Trauben/Weine

Chardonnay

Chardonnay stammt aus dem Burgund und erlebt derzeit weltweit den größten Produktionsanstieg. Große Produktionsmengen brachten ihm früher einen schlechten Ruf als weißer Massenwein ein, der vor allem zur Herstellung von Sparkling Wines verwendet wurde. Ähnlich wie im Burgund gedeiht Chardonnay bevorzugt in Küstennähe und in kühlen Klimaten, stellt jedoch bei mittleren Erntemengen (5 t/acre) relativ geringe Ansprüche an den Boden. Verstärkt werden heute, gerade in Oregon, die alten UC-Davis- durch Dijon-Klone ersetzt, da diese besser für kühle Klimate geeignet sind. Chardonnay treibt früh aus und ist spätfrost empfindlich, und um die Beeren rechtzeitig abzuhärten und Fäulnis zu vermeiden, spielen Erziehung und frühzeitige Entlaubung eine große Rolle. Die Lese erfolgt meist früh, um die sortentypische Säure zu erhalten.

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Beim Chardonnay kommt dem Winemaker eine wichtige Rolle zu.

Die unterschiedlichen Ausbaustile reichen deshalb von fruchtig-frisch und knackig mit ausgewogener Säure und Apfel-, Birnen- oder tropischen Fruchtnoten wie in Washington oder im kanadischen Okanagan Valley, elegant und komplex in Oregon, bis hin zu der bei den Amerikanern beliebten fett-buttrigen, in Kalifornien verbreiteten Version mit Karamel-, Vanille- und Nußaromen, vor allem hervorgerufen durch neue Eichenfässer und eine komplette malolaktlsche Gärung. Mit zunehmendem Alter nehmen diese Weine gerne einen honig - oder nußartigen Charakter an, der typisch für das Napa Valley ist, Chardonnays gelangen nach normalerweise eineinhalb Jahren Ausbau auf den Markt und sind sechs bis zehn Jahre lagerfähig. Spitzenchardonnays produzieren z.B. Au Bon Climat, Pahlmeyer, Matanzas Creek, Forman oder Kistler.

Sauvignon Blanc

Diese wahrscheinlich aus dem Bordeaux stammende Rebsorte, die besonders im Loiregebiet aber auch im Bordelais verbreitet ist, wurde vor rund hundert Jahren erstmals in der San-Francisco-Bucht angepflanzt. Derzeit wird die Traube auf ca. 600 ha Rebfläche kultiviert, mit hohen Zuwachsraten. Besonders gut in mäßig warmen Anbaugebieten gedeihend, ist üppiges Wachstum für die Rebsorte charakteristisch. Der früher oft bemängelte grasige bis krautige Beigeschmack, die grüne-unreife Note, ist heute kaum mehr ein Thema, nachdem die Bedeutung von Reifegrad und Standort erkannt und Weinbergsarbeit (stärkeres Beschneiden) und Kellertechnik auf die Sortenspezifika ausgerichtet wurden.

Meist im Tank ohne Säureabbau vergoren, gelegentlich komplett oder teilweise in Barriques ausgebaut (z.B. Caymus),

haben die Weine jetzt mehr Struktur und Fülle. Sauvignon Blanc, oft vergleichbar mit einem Sancerre oder Pouilly-Fume aus dem Loiretal, ist ein unverwechselbarer Wein, der eine gute und noch dazu preiswerte Alternative zum Chardonnay darstellt. Er ist anpassungsfähig und vielseitig kombinierbar, fruchtig-frisch mit angenehmer Säure. Die Aromapalette dieser jung trinkbaren, leichten Sorte reicht von Stachelbeere, Grapefruit über Feige und Melone bis hin zu Zitronengras, Brennessel und Schotenfrüchten; selten bleibt eine geringe Restsüße. Besonders im Nordwesten erlebt der Sauvignon dank der idealen Harmonie mit der lokalen Seafood-Küche eine Blüte.

Chenin Blanc

Diese alte Loire-Rebsorte, gut für warme Klimate geeignet, ist seit über einem Jahrhundert in Kalifornien verbreitet, seit den 50ern besonders beliebt, und die erste Rebsorte, die jemals auf einem Etikett genannt wurde. 80% der Ernte stammt aus dem heißen Central Valley und wird, auch wegen der hohen Erträge, vor allem zur Herstellung billiger Jug Wines verwendet. Von trocken und fruchtig über halbtrocken, mit unter 1% Restzucker, bis hin zu Spätlesen (late harvest) - insgesamt meist duftige, leicht süße Weine - ähnelt ein Chenin oft einem Riesling, blumig mit erdiger Note. Erst in jüngster Zeit werden in Washington qualitativ hochwertige Chenin Blancs produziert, die sich durch einen delikat-frischen Geschmack nach Melone, Limone, Orange, Vanille und Kräutern auszeichnen.

Riesling

Rieslingtrauben, besonders in Deutschland an Rhein und Mosel sowie im Elsaß bekannt, sind dank der dicken Beerenhaut relativ unempfindlich und können auch für Beerenauslesen verwendet werden. Dank der Eignung für kühle Klimate ist Riesling die in British Columbia verbreitetste Sorte, bereits in den 30ern im Okanagan Valley eingeführt, doch erst 1974 wiederentdeckt. Der gesamte Nordwesten ist "Riesling Country", der White oder Johannisberg Riesling aus Deutschland galt als die früheste in Washington angebaute Sorte und war vormals dort weit verbreitet. Die hergestellten Varianten reichen von trocken über halbtrocken bis hin zu Spätlesen (Dessertweine) und gelegentlich Eisweinen. Gemeinsam ist allen der leichte, frische und delikate Charakter mit betonter Säure, Pfirsich- oder Aprikosen- und Grüner-Apfel-Note, mit leicht blumigem Touch. Bei den süßen Varianten, mit Botrytis-Cinerea-Befall, dominieren oft Honig und süße Aprikosen.

Gewürztraminer

Wie Riesling kommt auch Gewürztraminer vor allem in Deutschland und dem Elsaß vor. Der gut alterungsfähige Wein taucht in verschiedenen Varianten von trocken bis zur Spätlese auf, wird jedoch meist halbtrocken ausgebaut. Charakteristisch sind blumig-fruchtige Aromen, geringe Säure und Rosen- und Lycheeduft sowie angenehme Würze auf dem Gaumen. In Washington, wie auch in British Columbia, wo die Sorte dank der Eignung fur kalte Winter gut gedeiht, erfreut sich Gewürztraminer großer Beliebtheit. Besonders subtil und elegant präsentieren sich die Weine aus Oregon.

Semillon

Diese mit Sauvignon Blanc verwandte (und mit dieser gern assemblierte) reichtragende Bordeauxrebe bringt speziell in Washington hervorragende trockene Weißweine hervor, die frisch-fruchtig mit knackigem Zitrus-, Melonen- oder Feigenaromen aufwarten.

Pinot Blanc

Als eine Mutation der Pinot-Noir-Traube wird Pinot Blanc oft für Schaumweine verwendet, könnte allerdings in Oregon (z.B. Bethel Heights, Adelsheim, Amity) bald den überaus beliebten Pinot Gris ablösen und ist auch in British Columbia vielversprechend. Pinot-Blanc-Weine ähneln leichten Chardonnays, etwas frisch-knackiger und weniger füllig-weich.

Pinot Gris

Auch unter den Namen Grauburgunder, Ruländer, Tokay d'Alsace oder Pinot Grigio (so in CA) bekannte Traubensorte, die speziell im Elsaß, in Deutschland, Österreich und Norditalien verbreitet ist. Die rötlich blau-schimmernden Beeren belegen ihre Herkunft vom Blauburgunder (Pinot Noir). Sie benötigen wenig Sonne und vertragen ausgiebigere Niederschläge und sind dadurch für Oregon prädestiniert, wo sie nach Pinot Noir und Chardonnay die meistverbreitete Sorte sind und von einem Drittel aller Winzer hergestellt werden. David Lett, Begründer der Eyrie Vineyards in Dundee, begann in den 60ern mit dem Anbau von Pinot Gris. Erst als der Lachs als Delikatesse erkannt wurde, stiegen seine Weine in der Gunst und gelten heute als perfekter Begleiter der Nordwestküche. "Oregons Chardonnay" ist ein fruchtig-trockener, leicht konsumierbarer Wein, oft mit Birnenaroma, teils exotischer Fruchtnote mit Honigmelone oder Banane, etwas Vanille und Mineralien, aber auch zitronig, sehr saftig und frisch.

Sonstige rote Sorten

Müller-Thurgau, benannt nach Prof. Müller aus dem Schweizer Thurgau, ist eine Kreuzung aus Riesling und Chasselas und eine einfach zu handhabende Sorte. In kleinen Mengen und bei großen Qualitätsunterschieden werden die Weine vor allem in Oregon und West-Washington produziert oft duftig-blumig, mit wenig Säure, Muskat- oder leichter Moschusnote, daneben aber auch in fruchtig-frischen Varianten. Auch Muskatelier genannt, stammt Muscat aus der Loire-Region und war bereits in der Antike bekannt. Beliebt sind in den USA vor allem Muscat-Dessertweine, die sich durch eine florale Orangen- und Muskatnote auszeichnen. Wie bei den Roten können auch bei den Weißen Rhonesorten Zuwächse verbucht werden, derzeit besonders Viognier, eine alte, ertragsarme Rhonesorte, die volle, gut lagerfähige Weine erzeugt, daneben Roussanne und Marsanne.

French Colombard ist die nach Chardonnay verbreiteste Weinsorte (aus dem Central Valley);

sie wird vor allem zum Blenden, aber auch zum separaten Ausbau halbtrockener, blumiger (Massen)weine benutzt.

Sparkling Wines - der französische Begriff "Champagner" darf trotz gleicher Produktionsmethode in den USA nicht verwendet werden - werden vorrangig aus Pinot Noir und Chardonnay mit gelegentlicher Beimischung von Pinot Meunier hergestellt. Man unterscheidet folgende Sorten: Brut (P.N.und C.), Blanc de Noirs (P.N., fruchtiger) oder Blanc de Blancs (C., eleganter).