Languedoc-Roussillon

Languedoc-Roussillon

Der Landbogen von der spanischen Grenze zur Mündung der Rhône ist vielleicht das älteste Anbaugebiet Frankreichs, auf jeden Fall aber das größte. Bis vor etwa 15 Jahren flossen zum Leidwesen von Politikern in ganz Europa aus ihm Unmengen unerwünschter Weine auf den Markt. Eine etwas bessere Weinbautradition hatte sich in den Hügeln erhalten, doch unter so ungünstigen wirtschaftlichen Vorzeichen, dass man kaum eine Zukunft für sie sah.

Die Zeiten haben sich geändert. Die besten Lokaltraditionen und -sorten wurden bewahrt. Sie werden mit neuen Verfahren veredelt und erbringen endlich einige denkwürdige Midi-Weine. Seit man sich andernorts - zum Beispiel in Australien - für den Midi interessiert und in ihn investiert, sind sogar die Einheimischen hellhörig geworden. Die Region mit den Hügeln des Languedoc, mit Corbi&eagrave;res und dem Minervois, aber auch dem Roussillon erwacht zu neuem Leben.

Erst in den 1960er-Jahren erkannten weitblickende Erzeuger und Geldgeber, dass die sonnengetränkten Hänge mit

ihren Böden und ihrem Klima ein enormes Potenzial bergen. Der Groschen fiel zur selben Zeit, als auch Kalifornien aus dem Schlaf erwachte. Im Midi haben schlechte Arbeitsmoral, bäuerliche Sturheit und die komplizierten Eigentumsverhältnisse Fortschritte verhindert. Es ist nun einmal die französische Art, sich vorsichtig auf eingetretenen Pfaden entlangzutasten, die Weine also zu verbessern statt zu verändern. Als großes Hemmnis erwies sich der Einfluss der Kellereigenossenschaften, auch wenn er mittlerweile gesunken ist. Ihre Mitglieder hatten sich daran gewöhnt, so früh wie möglich zu lesen, die Trauben zum Genossenschaftskeller zu karren und dann den Rest des Jahres auf die Jagd zu gehen. Es störte sie nicht im Geringsten, dass ihr Lesegut schlecht und die Weine unverkäuflich waren. Bis zum heutigen Tag verschließen die sturen Weinbauern ihre Augen vor der Tatsache, dass dynamischere Regionen und Kellereien vor allem im südlichen Nachbarland Spanien eine ernsthafte Konkurrenz darstellen.

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Dennoch ging es voran. Zunächst verbesserte man den Bereitungsprozess und dann das Marketing. Die Einführung der Kohlensäuremaischung war ein entscheidender erster Schritt.

Sie entlockte nichtssagenden Trauben wie Carignan saftige Geschmacksnoten, von denen man nicht einmal gewusst hatte, dass es sie gab. Heute ist das Verfahren etabliert und es gibt bereits eine stattliche Liste von Weingütern und Genossenschaften, die gute Abfüllungen aus den vom Konsumenten bevorzugten "aromatischen" Trauben anbieten. Die Güter und nicht mehr die coopératives geben nun die qualitative Marschrichtung vor, obwohl die besten Genossenschaften sich angepasst haben und mittlerweile ein Paket aus guten, fruchtigen Erzeugnissen zu fairen Preisen schnüren.

Der Midi des Qualitätsweinbaus unterteilt sich in vier Regionen: Roussillon in den Ausläufern der Pyrenäen, das einst

für seine süßen Aperitif- und Dessertweine berühmt geworden ist, sich aber inzwischen auch einen Ruf für kraftvolle, beeindruckende Rote aufbaut, das Rotweinland Corbi&eagrave;res, das ebenfalls für seine Roten bekannte kleinere Minervois in den südlichsten Ausläufern der Cevennen und am Ende das weit verstreute Anbaugebiet Coteaux du Languedoc mit Rot-, Weiß- und Roséweinen, deren Qualitätsskala von vin ordinaire bis hin zu wirklich großen Gewächsen reicht. Was eine Qualitätszone ausmacht und welches die "richtigen" Rebsorten dafür sind, wird hier mit der gleichen gallischen Präzision studiert wie an den Hängen von Beaune. Noch vor gar nicht allzu langer Zeit war die VDQS der höchste Adelstitel in diesen Breiten.

Heute sind viele Bereiche zu Appellationsehren gekommen, deren Potenzial man erkannt hat. Die Schattenseite dieser Entwicklung ist die verwirrende Vervielfachung der ACs und Sub-ACs. Daneben ist der Midi auch das Land des vin de pays, einer interessanten Alternative für Erzeuger, denen das Appellationskorsett zu eng geschürt ist. Es droht jedoch die Gefahr italienischer Verhältnisse, denn dort sind die hellsten Pioniere zu Recht der Auffassung, dass der Wein wichtiger ist als das Etikett. Einige Gewächse des Midi werden nur deshalb als vin de pays verkauft, weil Cabernet oder Merlot nicht offiziell erlaubt sind. Viele Güter indes verlegen sich auf Kompromisse: Sie sichern sich die AC-Zulassung für ihre traditionellen Abfüllungen und bringen ihre marktgängigeren, aus höheren Erträgen bereiteten Sortenweine in der Landweinkategorie unter.

Costieres de Nimes

Von der Topografie her gehört die AC Costieres de Nimes eher zu der südlichen Rhöne, der Rhöne Meridional, an deren Weinberge sie auch grenzt. 1986 wurde dem Gebiet der AC-Rang verliehen, damals hieß es noch Costieres de Gard. Um sich jedoch von dem im selben Gebiet erzeugten Vin de Pays du Gard abzugrenzen, änderte man 1989 den Namen. Auf den 5000 Hektar, die für die Erzeugung des Costieres de Nimes zur Verfügung stehen, wachsen die auch an der Rhöne verbreiteten Sorten Grenache und Carignan. Auch wenn die Weinberge des Carignan wie überall im Midi allmählich gerodet werden, kommt er in den Rotweinen der Costieres de Nimes immer noch auf einen Anteil von 40 Prozent.

Der Mindestanteil des Grenache ist in den AC-Bestimmungen auf 25 Prozent festgelegt worden, der Anteil von Syrah

oder Mourvedre auf 15 Prozent. Der Anteil der Rotweinerzeugung beträgt 75 Prozent, der Rest entfällt überwiegend auf fruchtige Roseweine. Die Weißweinproduktion ist sehr gering. Führender Erzeuger ist die gigantische Compagnie des Salines-du-Midi, der größte Weinproduzent Frankreichs, der mehrere Tausend Hektar im Midi und in der Provence bewirtschaftet. Weitere wichtige Erzeuger von Costieres de Nimes sind die Chäteaux de Belle-Coste, Roubaud, de Saint-Vincent und de La Tuilerie.

Coteaux du Languedoc

Die 2007 eingerichtete AC Languedoc umfasst auch das Roussillon. In diesem Abschnitt wird lediglich auf die abgeschafften Coteaux du Languedoc eingegangen. Man hat sie ersetzt durch die Super-AC Languedoc, die so groß ist, dass sie nur noch als ungefährer geografischer Anhaltspunkt dient, und durch zahlreiche Regionalappellationen. Letztere gehören zu den Gemeinden an den Hängen, wo sich die besten Lagen befinden.

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Die Ebenen des Languedoc zwischen Narbonne und Montpellier sind berüchtigt für ihre Unmengen schwachbrüstiger Verschnittweine. Doch das Anbaugebiet schrumpft, denn Europa hat keine Verwendung mehr für einen endlos tiefen Weinsee. Andererseits steckt in manchen Hügellagen ein vergleichbares Potenzial wie in Corbi&eagrave;res und im Roussillon. Ein Dutzend verstreuter Bereiche bereitet Gewächse von nennenswerter Güte. In den 1980ern bewies eine einzige Domaine, wie hoch man die Qualitätsschraube tatsächlich drehen kann: das völlig auf sich gestellte Mas de Daumas Gassac in Aniane. Inzwischen nähern sich etliche weitere Kellereien dem Ruhm, der Qualität und den Preisen von Daumas Gassac an. Die Region ist riesig: Sie umfasst rund 45000Hektar in den ehemaligen Coteaux du Languedoc.

Die Coteaux als offizielle Einheit gibt es nicht mehr, doch ihre zahlreichen Subappellationen sind erhalten geblieben.

Manchen Gemeinden gesteht man eine eigene (theoretische) Identität zu, sodass sie ihren Namen an die Bezeichnung Languedoc anhängen dürfen. Sie heißen Cabri&eagrave;res, La Méjanelle, Montpeyroux, Picpoul de Pinet, Quatourze, St-Christol, St-Drézéry, St-Georges- d'Orques, St-Saturnin und Vérargues. Manche bemühen sich um unabhängigen AC-Status nach der Art von Faug&eagrave;res, St-Chinian und Clairette du Languedoc. Verwirrenderweise wird auch noch nach "Klimazonen" wie Terres de Sommi&eagrave;res, Terrasses du Larzac, Pézenas, La Clape, Terrasses de Béziers, Pic-St-Loup und Gr&eagrave;s de Montpellier unterschieden.

Die größte Rebflächenkonzentration findet man nördlich von Béziers auf den ersten Ausläufern der Cevennen, wo der Hérault vom rauschenden Wildbach in einen trägen, pappelgesäumten Fluss übergeht. Die Lagen dort heißen Cabri&eagrave;res, Faug&eagrave;res oder St-Saturnin. Am bekanntesten sind Faug&eagrave;res und St-Chinian in den westlichen Hügeln Richtung Minervois geworden. Die Rotweine geraten hier körperreich und deutlich würzig. St-Chinian liegt teilweise auf kalkhaltigem Ton, teilweise auf dunkelviolettem Schiefer mit hohem Mangananteil und lohnt eine genauere Betrachtung.

Die verschiedenen Bodenarten der Hügelformationen geben den Weinen ihr Gepräge. Das schieferreiche Berlou-Tal zeichnet sich durch reifere, rundere Rote aus, als man sie in der übrigen Region findet. Die eigenständigste Gegend mit dem interessantesten Potenzial ist La Clape, ein isoliertes Kalksteinmassiv, das wie eine Insel an der Mündung des Flusses Aude zwischen Narbonne und dem Meer liegt. Seine Boden- und Klimaverhältnisse können höchst individuelle Weißweine hervorbringen, was nicht zuletzt durch das ganz eigene, von kühlen Meeresbrisen geprägte Mikroklima begründet ist. Einzelne Güter haben ihre Weinberge mit Chardonnay bestockt. Auch aus St-Saturnin kommen stilvolle Weine, oft mit einem hohen Syrah-Anteil.

Viele Erzeuger an den Coteaux nutzen mittlerweile die Regelungen für vin de pays, um in der AC nicht zugelassene

Weine etwa aus Merlot und Chardonnay bereiten zu können, die häufig ganz hervorragend ausfallen. Man erkennt sie an Etiketten mit "Domaine"-Bezeichnungen, die ansonsten mit denen renommierter Châteaux identisch sind, denn auf einem Landweinetikett darf das Wort "Château" nicht erscheinen. Erste Hoffnungen, dass solche Sortenweine mit gleichartigen Produkten aus der Neuen Welt ernsthaft in Konkurrenz treten, haben sich allerdings bislang nicht erfüllt, denn die Bestimmungen erlauben hohe Erträge und mehren damit nur die Unmengen fruchtiger, schnell zu konsumierender Massenweine.

Minervois

Der Fluss Aude trennt die letzten Falten der Pyrenäen von den ersten Ausläufern des Zentralmassivs - und Corbi&eagrave;res vom Minervois. An seinem Nordufer verläuft das Minervois auf einem 65 Kilometer langen Abschnitt, der die ebenen Kiesbereiche am Fluss ebenso wie die ganz anders zusammengesetzten Hügel mit einem 180 Meter hohen Plateau im Hinterland umfasst. Flüsse haben tiefe Schluchten in den weichen braunen Fels gegraben und an einer Stelle mitten im Wasserlauf eine Insel für das Städtchen Minerve gelassen. Das Plateau wird von trockenen, baumlosen Garrigue-Heiden geprägt. Hier haben es die Reben nicht leicht und selbst die Carignan liefert sehnige, nervige Gewächse. Das Produktionszentrum liegt in der Flussebene, doch hat die moderne Weinbereitung im hoch gelegenen Minervois köstlich lebendige, gut gemachte Weine mit der Struktur eines leichttragenden Flugzeuggerüsts hervorgebracht. Einige Weiße werden aus südfranzösischen Sorten bereitet, sie machen aber nur zwei Prozent der Produktion aus.

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Das Minervois erhielt 1985 AC-Status verliehen und wurde mit komplexen Verschnittvorschriften ausgestattet. 1998 kam Minervois-La-Livini&eagrave;res zu eigenen Appellationsehren für Rote. Das Gebiet umfasst 2600Hektar, doch sind gegenwärtig nur 200 davon bestockt. Der Wein muss vor der Freigabe mindestens 15 Monate lang reifen. Die Gesamtrebfläche beläuft sich auf 18000Hektar, davon stehen 5000Hektar unter Reben. Sie werden von rund 200 Privatwinzern und 30 Genossenschaften bewirtschaftet. Auf 195Hektar entsteht ferner der köstlich süße vin doux naturel Muscat de St-Jean-de-Minervois.

Die größten Erzeuger im Minervois sind

Chäteau de Gourgazaud, die Cave Cooperative des Coteaux du Haut-Minervois sowie die Chäteaux Villerambert Moureau, de Fabas, Canet und de Vergel. Ganz im äußersten Nordosten des Minervois entsteht der Muscat de St.-Jean-de-Minervois, ein Süßwein aus dem Muscat Blanc ä Petits Grains. Er besitzt eine eigene AC und ist mit seiner zitrusduftigen Art der ansprechendste der verschiedenen Vins Doux Naturel aus dem Muscat in ganz Südfrankreich. Er entsteht nur in winzigen Mengen, bedeutender Erzeuger ist die Genossenschaft Vignerons de Septimanie in Narbonne.

Cabardes und Cotes de la Malepere

Westlich des Minervois liegt die Schnittstelle der großen Weinbauregionen Midi und Südwestfrankreich. Im Gebiet zwischen Aude und Garonne sind die klimatischen Verhältnisse nicht eindeutig, es vermischen sich atlantische mit mediterranen Einflüssen. Und auch die Rebsorten verraten die Stellung dieser Region zwischen den beiden Weinbautraditionen der genannten Regionen. Im direkt westlich an das Minervois angrenzenden Cabardes werden sowohl die südwest französischen Klassiker Cabernet Sauvignon, Cabernet Franc Merlot und Malbec als auch die typischen Rhöne- und Midi-Sorten Carignan, Grenache, Cinsault und Syrah angebaut. Auch wenn die Weinbereitungstechniken im Cabardes weitgehend immer noch höchst traditionell, wenn nicht gar rückständig sind, entstehen in diesem noch recht unbekannten Anbaugebiet substanzielle und langlebige Rotweine, die erahnen lassen, zu welchen Leistungen die Region fähig sein wird, wenn erst einmal die nötigen Investitionen getätigt sein werden. Dasselbe gilt für die Cötes de la Malepere, die sich noch weiter westlich anschließen und klimatisch schon wesentlich eindeutiger die Ankunft in Südwestfrankreich signalisieren. Der bekannteste Erzeuger in Cabardes ist Chäteau Rivals.

Limoux

Das originellste Rebenprodukt des Midi ist der hochwertige Schaumwein von Limoux. Das Anbaugebiet versteckt sich hinter Corbi&eagrave;res am Oberlauf des Flusses Aude oberhalb von Carcassonne. Vieles deutet darauf hin, dass das entlegene Gebiet rund 200 Jahre vor der Champagne Frankreichs ersten Schaumwein hervorbrachte. Einer örtlichen Legende zufolge schlug seine Geburtsstunde 1531. Er wurde Blanquette de Limoux genannt, wobei das "Weiße" im Namen nicht von der hellen Farbe des Weins herrührt, sondern vom weißen Flaum an der Unterseite der Blätter der Mauzac alias Blanquette.

Mauzac ist eine Traube mit leichtem Cidre-Duft. Sie liefert auch das Ausgangsmaterial für den rustikalen Schaumwein

von Gaillac, dessen Ursprünge möglicherweise bis in die Antike zurückreichen, denn Gaillac war schon zu Römerzeiten eine Weinstadt. Das traditionelle Limoux- Rezept bestand aus der spritzigen Mauzac und der milderen Clairette. Einst war der Crémant nur ein pétillant, heute aber wird er nach der traditionellen Methode bereitet und auf hohen Druck sowie durch fein abgestimmtes Verschneiden auf vorzügliche Qualität gebracht.

Inzwischen musste die Clairette den burgundischen Trauben Chenin blanc und vor allem Chardonnay weichen, die zu den besten Cuvées ihren vollen Geschmack beisteuern. Der einzige Makel, den man am Blanquette finden kann, ist seine leicht spröde, zitronige Magerkeit, weshalb er durchaus davon profitiert, etwas "gemästet" zu werden.

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In Limoux gibt es verschiedene Weinstile. Der schäumende Crémant de Limoux muss zu 90 Prozent aus Chenin und Chardonnay bestehen. Zugelassen sind ferner ein Fingerhut voll Mauzac oder Pinot noir, doch kommen sie nur selten zum Einsatz. Der Wein muss mindestens 15 Monate auf der Hefe liegen. Für den Blanquette sind mindestens 90 Prozent Mauzac und höchstens zehn Prozent Chardonnay vorgeschrieben. Der seltenere Blanquette méthode ancestrale ist ein sortenreiner Mauzac. Für die weißen Stillweine der Region gibt es seit 1993 die AC Limoux. 2003 bekam auch der Limoux Rouge die AC-Zulassung; er muss zu wenigstens 50 Prozent aus Merlot bestehen. Im Gegensatz zu ihren Pendants aus der Champagne und aus Burgund werden sie am besten ein, zwei Jahre nach der Herstellung getrunken.

Die Produktion liegt zu 70 Prozent in den Händen der riesigen, hypermodernen Genossenschaft Caves du Sieur

d'Arques. Der 1946 gegründete Betrieb verzeichnet 400 Mitglieder. Er gibt nicht nur Schaumwein heraus, sondern auch zahlreiche Chardonnays sowie eine rote Cuvée aus Mittelmeer- und Bordeaux- Rebsorten namens Occursus. 14 Millionen Flaschen setzt die dynamische coopérative im Jahr um. Gute Einzelerzeuger sind die Domaine de l'Aigle, Château d'Autugnac, Domaine Collin, Jean- Louis Denois und Domaine Mouscaillo.

Corbieres

Das riesige Anbaugebiet Corbi&eagrave;res erstreckt sich von Narbonne landeinwärts fast bis Carcassonne und noch einmal genauso weit bis zur Grenze des Roussillon. Die Landschaft hebt und senkt sich in dürren Hügelketten aus hellem Kalkgestein, die hie und da mit Weinbergen wie mit grünen Mustern überzogen sind. Lang hat die neutrale rote Carignan-Traube den Weinbau beherrscht, doch inzwischen darf sie nur noch zu höchstens 50 Prozent in die Verschnitte eingehen; der Rest ist Syrah, Mourv&eagrave;dre und Grenache.

Eine gute Lage, begrenzte Erträge und sorgfältige Weinbereitung erbringen mehr als solide Weine, die allerdings häufig Geschmack und Charakter vermissen lassen. Verbesserungen in der Kellertechnik wurden vor allem durch die Kohlensäuremaischung erzielt, mit deren Hilfe wenigstens eine Spur Fruchtigkeit aus den Trauben herausgeholt wird, mehr aber noch im Weinbau selbst durch radikale Neuanpflanzungen charakterstärkerer Traubensorten als Carignan. (Carignan von alten Stöcken aber wird hoch geschätzt.) Zudem kommt nun öfter Holz zum Einsatz, in dem die Weine vergoren und ausgebaut werden, was zusätzliche Geschmackskomponenten einbringt. Ein kleiner, aber bedeutsamer Zuwachs ist in der Region beim Weißwein zu verzeichnen, von dem es auch fassvergorene oder in neuer Eiche gereifte Versionen gibt. Gleichwohl bleibt Corbi&eagrave;res mit 95 Prozent der Produktion ein Rotweinland; auf Rosé entfallen drei, auf Weißwein nur zwei Prozent.

Zu diesem Gesamtbild tragen ein paar große Weingüter ebenso bei wie Tausende kleiner Winzer mit ihren

Genossenschaften. Zwei Bereiche in der südöstlichen Ecke von Corbi&eagrave;res, weitgehend in der Hand von Genossenschaften, haben schon seit Langem Anspruch auf die Appellation Fitou für ihre Roten, die als alterungswürdiger gelten als alle anderen. 2600Hektar Rebfläche sind für diese AC zugelassen; die Erzeuger dürfen ihre Weine aber auch einfach Corbi&eagrave;res nennen. Vor nicht allzu langer Zeit wurde Corbi&eagrave;res in elf Zonen unterteilt, um der Verschiedenheit der Terroirs mit ihren maritimen bis sehr trockenen Klimazonen Rechnung zu tragen. Sie heißen Montagne d'Alaric, St-Victor, Fontfroide, Queribus, Boutenac, Termen&eagrave;s, Lézignan, Lagrasse, Sigean, Durban und Servi&eagrave;s. Für die Winzer besteht die größte Herausforderung darin, der natürlichen Rustikalität ihrer Weine entgegenzuwirken.

Die Region ist trotz ihrer enormen Ausdehnung und Vielfalt über weite Strecken trocken und unwirtlich, weshalb sich Finesse in den Weinen nur schwer einstellt. Natürlich gibt es Ausnahmen und sie werden auch immer häufiger, aber trotzdem scheint Corbi&eagrave;res noch hinter Roussillon, St- Chinian und Teilen der Coteaux du Languedoc hinterherzuhinken. Andererseits haben die Erzeuger der Versuchung widerstanden, auf microcuvées zu aufgeblähten Preisen umzusteigen. Wohlfeilere Weine findet man im südlichen Frankreich nur selten.

Fitou

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Innerhalb des Corbieres-Gebietes gibt es mit dem Fitou eine eigenständige, traditionsreiche Appellation, die den besten Rotwein der Gegend hervorbringt. Er stammt aus neun qualitativ sehr guten Gemeinden rund um die gleichnamige kleine Stadt südlich von Narbonne. Die 2500 Hektar Rebfläche ziehen sich von der Ostküste landeinwärts bis in das Gebiet südwestlich der Stadt Corbieres. So kommt es, dass - eine verkleinerte Parallele zum Corbieres - innerhalb der AC Fitou verschiedene klimatische Bedingungen wirken. Zudem weisen auch die Böden eine große Uneinheitlichkeit auf. Während im heißeren Küstenklima, das allerdings durch den Einfluss des Meeres etwas gemildert wird, Ton- und Kalksteinböden vorherrschen, dominieren in den landeinwärts und höher gelegenen Pyrenäenausläufern Schieferböden.

Ahnlich wie bei fast allen Rotweinen Südfrankreichs hat der Gesetzgeber auch bei den Fitou-Weinen den maximal

zulässigen Anteil der Carignan-Rebe zu Gunsten der besseren Sorten Syrah und Mourvedre beschränkt. Ein Fitou muss neun Monate im Fass gelagert werden und kann dann in der Flasche zu einem kraftvollen, körperreichen und komplexen Rotwein heranreifen. Fitou ist Genossenschaftswein: Fast die gesamte Erntemenge wird von den drei großen Winzergenossenschaften Cave Cooperative de Fitou, Les Caves du Mont Tauch und Cave Cooperative de Vinification de Paziols verarbeitet. Zudem wachsen innerhalb der AC Fitou - wie allerdings im gesamten Roussillon - Trauben für zwei altberühmte Süßweine des Midi, den Rivesaltes und den Muscat de Rivesaltes.

Roussillon

Die Weine des von der Sonne gebratenen Roussillon profitieren vom hervorragenden Ruf eines alten, einzigartigen Produkts, des vin doux naturel. Außerhalb der Landesgrenzen ist er praktisch unbekannt, doch sind die Franzosen so stolz auf ihn, dass sie sein Pendant, den Portwein, als müden Abklatsch sehen.

Leider lassen sich die immensen Mengen von Muscat- und gespriteten Grenache-Weinen nur schwer an den Mann bringen. Selbst Exemplare, die 20 Jahre und länger in großen Fässern zu weicher Reife gelangen dürfen, müssen zu lächerlich geringen Preisen feilgeboten werden.

Ins Roussillon gelockt hat Investoren das enorme Rotweinpotenzial.

Die bemerkenswerten, oft schieferhaltigen Böden erbringen Weine von großer Virilität und enormem Charakter.

Die geschützten Küstenhügel um Perpignan und weiter landeinwärts die Täler von Agly und Tet liefern formidable Rote. Ihre besten Exponenten, bereitet aus Grenache, Syrah, Mourv&eagrave;dre und Carignan, offenbaren mitunter die Struktur eines Châteauneuf-du-Pape, sind aber runder und weicher.

Immer mehr Winzer schicken ihre Weine ins Eichenfass und lassen sie sogar in der Flasche reifen, damit sich ihre Kraft mit Komplexität paart. Die besten Gewächse haben Anrecht auf die AC Côtes du Roussillon (5745Hektar) oder Côtes du Roussillon-Villages (2190Hektar, verteilt auf 32 Gemeinden). Rosés spielen als Einnahmequelle eine wichtige Rolle, selbst wenn ihre Qualität oft zu wünschen übrig lässt. Gleichzeitig demonstrieren Erzeuger wie Gauby und die Domaine des Chênes, was mit weißen Trauben selbst in einer so heißen Gegend möglich ist. In den letzten Jahren wurde außerdem, zum Großteil auf Betreiben der Kellereigenossenschaften, eine ganze Reihe von Unterappellationen eingerichtet. Die Gemeinden Aspres, Caramany, Latour de France, Lesquerde und Tautavel dürfen nun ihre Namen der Bezeichnung Côtes du Roussillon-Villages hinzufügen. Und jede hat ihre eigenen komplexen Vorschriften. Das erklärt, warum so viele führende Güter ihre Erzeugnisse mittlerweile als Vin de Pays Côtes Catalanes abfüllen.

Eine kleine, 600Hektar umfassende Rotweinzone um Collioure hat seit 1949 eine eigene AC für einen konzentrierten

Wein vorwiegend aus Mourv&eagrave;dre und Genache. Nirgendwo nördlich der spanischen Grenze gibt es Vergleichbares. Seit 2003 erlaubt das INAO die Bereitung von Weißen in der AC.

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Die vins doux naturels verdanken ihre Entstehung angeblich Arnaldus da Villanova, einem Arzt und Gelehrten aus Montpellier, der im 13. Jahrhundert den Destillationsapparat aus dem maurischen Spanien nach Frankreich brachte. Er fügte als Erster von Natur aus starken Weinen eau de vie hinzu, um die Gärung abzustoppen und einen hohen Zuckergehalt zu bewahren, daher auch der Zusatz doux naturel, "natursüß".

Während aber im Portwein eau de vie ein Fünftel des Volumens und mehr als die Hälfte des Alkoholgehalts beisteuert, ist es im vin doux naturel auf zehn Prozent des Volumens beschränkt. Gleichzeitig darf der natürliche Alkoholgehalt nicht weniger als 15 Prozent betragen. Einem Nichteinheimischen, der das Privileg einer fundierten Portweingewöhnung genossen hat, steht es gar nicht zu, über vin doux naturel zu urteilen. Mit der Zeit bekommt er eine oxidative rancio-Note. Traditionsbewusste Hersteller lagern ihn in birnenförmigen 30-Liter-Glasballons, bonbonnes genannt, abgeleitet vom spanischen bombonas. Vin doux naturel wird in vielen verschiedenen Stilen und Süßegraden bereitet und unterschiedlich lang ausgebaut. Einige ehrwürdige Vertreter ruhen 20Jahre und mehr in großen Fässern. Neben Grenache-Verschnitten wie dem Rivesaltes (5590Hektar), Banyuls (1173Hektar), Maury (507Hektar) oder dem sortenreinen Muscat de Rivesaltes (5117Hektar) steigt die Nachfrage nach "Vintage"-Stilen in der Art von Jahrgangsportweinen. Sie werden oft rimage genannt.

Banyuls

Im äußersten Süden des Roussillon, an der Grenze zum spanischen Katalonien, liegt die AC Banyuls. Sie steht für feinsten Süßwein vom Grenache und steht in der Tradition dieser schweren, süßen, in der Vergangenheit oft mit Gewürzen versehenen Gewächse, wie sie auch in Spanien noch gelegentlich erzeugt werden. Der Anteil des Grenache liegt beim AC Banyuls bei mindestens 50 Prozent, beim AC Banyuls Grand Cru sogar 75 Prozent. Die Banyuls-Weine entstehen aus spät gelesenem, überreifem Traubengut, das zum Lesezeitpunkt teilweise bereits in ein teilrosiniertes Stadium übergegangen ist. Die Rebflächen sind terrassierte Steillagen hoch über dem Mittelmeer, auf denen die Trauben von der Sonne geradezu geröstet werden und enormen Zuckergehalt entwickeln.

Die Erträge sind auf 30 Hektoliter pro Hektar Rebfläche begrenzt.

Direkt nach der Gärung werden die Jungweine, in denen auf Grund des extrem hohen Reifegrads noch viel Restzucker enthalten ist, durch den Zusatz von Alkohol aufgespritet. Anschließend werden sie bis zu zweieinhalb Jahre in Holzfässern gealtert. Banyuls-Weine sind unverwüstlich, die besten verbessern sich in der Flasche mehrere Jahrzehnte lang. Trocken ausgebaute Weine kommen unter der AC Collioure auf den Markt. Nach demselben Rezept wie der Banyuls wird etwas weiter im Hinterland der AC Maury erzeugt. Fast die gesamte Erzeugung wird durch die drei Genossenschaften Groupement Interproducteurs du Cru Banyuls, Cave Cooperative Les Dominicains und Societe Cooperative Agricole I'Etoile abgewickelt.

St-Chinian

Dieses bedeutende Anbaugebiet in den westlichen Ausläufern der Cevennen wurde 1982 in den Rang einer Appellation erhoben. Es umfasst 3300Hektar, die von 104 Privatgütern und neun Genossenschaftskellereien bewirtschaftet werden. Die Qualitätskurve zeigt beständig nach oben. In der AC sind einige der besten Kellereien des Languedoc zu finden. 90 Prozent der Weine sind rot, der Rest entfällt auf Rosé. Seit 2004 hat das INAO auch den Weißen (aus Roussanne, Marsanne, Grenache und Vementino) AC-Status zugestanden, weshalb ihr Anteil in den nächsten Jahren sicher steigen wird. Im selben Jahr bekamen auch Berlou und Roquebrun das AC-Siegel verliehen. Beide Zonen sind etwa 250Hektar groß; ihre Reben wachsen alle auf Schieferböden.